Alte Weihnachtsgeschichten

Weihnachtsgeschichten haben eine lange Tradition. Schon in Zeiten, als noch nicht alle Menschen schreiben konnten, erzählten die Alten den Kindern schöne Geschichten zur Weihnachtszeit.

Kennen Sie die Erzählungen aus Omas Kindheit? Nein? Dann wird es höchste Zeit, dass sie unsere Geschichten durchstöbern und Sie ihre Eltern und Großeltern in diesem Jahr zum Weihnachtsfest mit einem Geschichten-Abend der ganz besonderen Art überraschen, bei dem Sie eine unserer alten Weihnachtsgeschichten vorlesen!

Weihnachten ist ein christlicher Brauch, der überall auf der Welt gefeiert wird. Jedoch gibt es in jedem Land eigene Geschichten und Legenden zur Weihnachtszeit. Kennen Sie zum Beispiel die Erzählungen Wie der Franischko seine Weihnachten feierte oder In Hülle und Fülle? Diese und vielen weitere alte Weihnachtsgeschichten finden Sie im Folgenden. Lassen Sie sich davon verzaubern.

  1. Alte Weihnachtsgeschichten
  2. Was macht eine Weihnachtsgeschichte "alt" - und warum sind diese Geschichten so wertvoll?
  3. Die goldenen Epochen alter Weihnachtsgeschichten
  4. Die Sprache alter Weihnachtsgeschichten: Herausforderung oder Bereicherung?
  5. Alte Weihnachtsgeschichten für verschiedene Anlässe
  6. Unterschiede zwischen deutschen, österreichischen und schweizer Weihnachtsgeschichten
  7. Die soziale Dimension alter Weihnachtsgeschichten
  8. Besondere literarische Schätze: Diese alten Weihnachtsgeschichten sollten Sie kennen
  9. Vorlesetipps speziell für alte Weihnachtsgeschichten
  10. Warum alte Weihnachtsgeschichten heute wichtiger sind denn je
  11. Alte Weihnachtsgeschichten in modernisierter Sprache - ja oder nein?

1. Alte Weihnachtsgeschichten

Die Nüsse
Lesezeit: ca. 26 MinutenDer verwundete Oberst, den wir in unserem Hause gesund pflegten, durfte nur wenig gehen, und wenn er am Nachmittag etwas herumspaziert war, mußte er auf dem bequemen alten Lehnsessel, den wir den Großvaterstuhl nannten, Ruhe suchen.

In der Dämmerstunde steckte unser lieber Gast die zweite von den drei Pfeifen an, die der Doktor ihm jeden Tag zu rauchen gestattete, gab den Kindern ein …
weiter lesen

Autor: Georg Ebers

Weihnacht-Abend
Lesezeit: ca. 63 MinutenMan kann annehmen, daß, so sehr poetische Gemüther darüber klagen, wie in unserer Zeit alles Gedicht und Wundersame aus dem Leben verschwunden sei, dennoch in jeder Stadt, fast allenthalben auf dem Lande, Sitten, Gebräuche und Festlichkeiten sich finden, die an sich das sind, was man poetisch nennen kann, oder die gleichsam nur eine günstige Gelegenheit erwarten, um sich zum Dichterischen zu …
weiter lesen

Autor: Ludwig Tieck

Die falschen Weihnachtsbäume
Lesezeit: ca. 27 MinutenAuf unsrer Insel gab es wenig Bäume. So wenig, daß das Brennholz weither über das Wasser geholt werden mußte, und daß viele der Inselbewohner niemals einen Wald gesehen hatten. Auch die Tannenbäume waren ein seltner Artikel, was uns als Kinder immer sehr aufregte. Denn wenn es gegen die Weihnachtszeit ging, tauchten immer wieder die Zweifel auf, ob wir wohl einen wirklichen oder einen …
weiter lesen

Autor: Charlotte Niese

Wie der Franischko seine Weihnachten feierte
Lesezeit: ca. 10 MinutenZum dritten Male, seitdem Franischko das väterliche Haus verlassen, um in der weiten Welt sein bescheidenes Stückchen Brot zu finden, war der Winter ins Land gekommen. Zum dritten Male wurde das Weihnachtsfest gefeiert.

Franischko wurde von Tag zu Tag trauriger, wenn er an den heiligen Abend dachte. Diesen mit seinen Kameraden beim Majster zu verbringen, vermochte der kleine Franischko nach …
weiter lesen

Autor: Fritz Mauthner

Wie meine Mutter Weihnachten feierte
Lesezeit: ca. 22 MinutenAls ich noch ein ganz kleines Kind war, und später, als ich heranwuchs, und jetzt, nun ich eine alte Frau bin, sagte und frage ich immer noch: "War's irgendwo schöner an Weihnachten als bei uns?" Gewiß und wahrhaftig, nirgends war es schöner, und daran war meine Mutter schuld. Wie sie das aber zustande brachte, wie sie's anstellte und wie sie's machte, davon möchte ich …
weiter lesen

Autor: Tony Schumacher

Die gläserne Kugel
Lesezeit: ca. 7 MinutenEs war einmal ein König, der hatte seine Gemahlin sehr lieb, und die Königin liebte ihn von ganzem Herzen wieder; sie hatten aber kein einziges Kind, und darüber waren sie traurig. Nun begab sich's eines Tages, daß der liebe Gott ihr Bitten erhörte und der Königin einen kleinen Sohn schenkte; die Kammerfrau aber, die eine böse Hexe war, bemalte und bewickelte ein Stück Holz wie ein Kind, …
weiter lesen

Autor: Theodor Colshorn

Bethlehem
Lesezeit: ca. 4 MinutenDer erste Anblick eines Ortes wie Bethlehem macht einen seltsamen Eindruck auf die Seele; es ist, wie wenn plötzlich das Bild, welches schon in der Kindheit der Seele vorgestellt und eingeprägt wurde, aus der innerlichen Vorstellung herausträte und nun zu einer alten Heimat, ja wie ein materiell, Stein gewordener Teil der eigenen Seele; und sie fliegt mit dem Blick grüßend schon von ferne dem …
weiter lesen

Autor: Alban Stolz

Des kleinen Hirten Glückstraum
Lesezeit: ca. 9 MinutenEs war einmal ein sehr armer Bauersmann, der war in einem Dörflein Hirte, und das schon seit vielen Jahren. Seine Familie war klein, er hatte ein Weib und nur ein einziges Kind, einen Knaben. Doch diesen hatte er sehr frühzeitig mit hinaus auf die Weide genommen und ihm die Pflichten eines treuen Hirten eingeprägt, und so konnte er, als nur einigermaßen der Knabe herangewachsen war, sich ganz …
weiter lesen

Autor: Ludwig Bechstein

Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der nicht das Brummeisen spielen konn
Lesezeit: ca. 7 MinutenDer König von Makronien, der sich schon seit einiger Zeit gerade in seinen besten Jahren befand, war eben aufgestanden und saß unangezogen auf dem Stuhl neben dem Bett. Vor ihm stand sein Hausminister und hielt ihm die Strümpfe hin, von denen der eine ein großes Loch an der Ferse hatte. Aber obwohl er den Strumpf mit großer Sorgfalt so gedreht hatte, daß der König das Loch nicht merken …
weiter lesen

Autor: Richard von Volkmann

Rotkehlchen
Lesezeit: ca. 24 MinutenHerr Dusedann war zweiunddreißig Jahre alt und im besten Begriff, ein Junggeselle zu werden. Er besaß ein großen Vermögen, und obgleich er aus diesem Grunde keinen bestimmten Beruf erwählt hatte, so waren seine Tage dennoch dermaßen mit Tätigkeiten und Arbeit angefüllt, dass er zu Heiratsgedanken gar keine Zeit fand. Daran war aber seine große Sammelleidenschaft schuld und ein ihm …
weiter lesen

Autor: Heinrich Seidel

In Hülle und Fülle
Lesezeit: ca. 8 MinutenEs war an einem Weihnachtsabend, da kamen zwei arme Wanderer zu einem Hofe und baten, die Nacht über dableiben zu dürfen. Nein, sagten die Hofbewohner, sie könnten solchen Prachern kein Obdach geben. Da gingen sie weiter und kamen zu einer Hütte, in der ein armer Häusler mit seiner Frau wohnte. Sie klopften an und frugen, ob sie dort die Nacht über bleiben könnten. Ja, sagten die Leute, das …
weiter lesen

Autor: Svend Grundtvig

2. Was macht eine Weihnachtsgeschichte "alt" - und warum sind diese Geschichten so wertvoll?

Als "alte Weihnachtsgeschichten" bezeichnen wir Erzählungen, die vor 1950 entstanden sind - also Geschichten, die mindestens 75 Jahre alt sind. Viele stammen sogar aus dem 19. Jahrhundert oder noch früheren Epochen.

Diese Geschichten sind besonders wertvoll, weil sie:

  • Zeitzeugnisse sind: Sie zeigen, wie Menschen vor 100, 150 oder 200 Jahren Weihnachten erlebten und feierten
  • Andere Werte vermitteln: In einer Zeit ohne Konsumüberfluss standen Bescheidenheit, Nächstenliebe und Dankbarkeit im Mittelpunkt
  • Sprachschätze bergen: Die Sprache ist oft poetischer, bildreicher - manchmal auch altertümlich, aber gerade das macht ihren Charme aus
  • Generationen verbinden: Großeltern erkennen die Geschichten aus ihrer Kindheit wieder, Enkel entdecken eine fremde, faszinierende Welt
  • Universelle Themen behandeln: Trotz des Alters sprechen sie von Gefühlen und Situationen, die zeitlos sind: Sehnsucht, Hoffnung, Liebe, Gemeinschaft

3. Die goldenen Epochen alter Weihnachtsgeschichten

Romantik und Biedermeier (1800-1850) - Die Geburt der deutschen Weihnachtsgeschichte

Historischer Kontext:
Dies war die Geburtsstunde der Weihnachtsgeschichte, wie wir sie kennen. In dieser Zeit entwickelte sich das bürgerliche Weihnachtsfest mit Tannenbaum, Bescherung und Familienfeier. Die Industrialisierung begann, viele Menschen zogen vom Land in die Stadt - und sehnten sich nach der verlorenen ländlichen Idylle.

Typische Merkmale dieser Geschichten:

  • Verklärung der Kindheit und des einfachen Lebens
  • Betonung von Familie und Geborgenheit
  • Oft ländliche Schauplätze (Dorf, Bauernhof, verschneite Landschaften)
  • Religiöse Elemente, aber nicht dogmatisch
  • Poetische, bildreiche Sprache
  • Oft melancholischer Unterton - "süße Traurigkeit"

Berühmte Autoren dieser Zeit:

  • E.T.A. Hoffmann ("Nussknacker und Mausekönig", 1816) - Mischung aus Märchen und Realität
  • Joseph von Eichendorff - romantische Weihnachtslyrik und Erzählungen
  • Clemens Brentano - religiös-mystische Weihnachtsgeschichten

Für wen geeignet: Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren, die poetische, atmosphärische Texte schätzen. Kinder unter 12 können die Sprache oft noch nicht voll erfassen.

Realismus (1850-1890) - Weihnachten im Alltag

Historischer Kontext:
Die Industrialisierung schritt voran, soziale Unterschiede wurden drastischer. Armut und Reichtum existierten dicht nebeneinander. Autoren begannen, realistischer zu schreiben - nicht mehr nur verklärte Idyllen, sondern auch die harten Seiten des Lebens.

Typische Merkmale dieser Geschichten:

  • Soziale Themen: Armut, Klassenunterschiede, aber auch Solidarität
  • Realistischere Darstellung von Familienleben (nicht immer perfekt)
  • Oft eine Moral: Reiche sollten den Armen helfen
  • Detaillierte Beschreibungen von Alltagsleben und Bräuchen
  • Klare, weniger überschwängliche Sprache als in der Romantik

Berühmte Autoren dieser Zeit:

  • Theodor Storm ("Der kleine Häwelmann", "Unter dem Tannenbaum") - norddeutsche Weihnachten
  • Theodor Fontane - preußische Bürgerlichkeit
  • Adalbert Stifter ("Bergkristall", 1845) - österreichische Alpen, Naturgewalten
  • Charles Dickens ("A Christmas Carol", 1843) - englische Sozialkritik

Für wen geeignet: Alle Altersgruppen ab 10 Jahren. Diese Geschichten sind oft zugänglicher als romantische Texte, weil sie konkreter und handlungsorientierter sind.

Gründerzeit und Kaiserreich (1870-1918) - Bürgerliches Weihnachten

Historischer Kontext:
Deutschland wurde zum Nationalstaat, das Bürgertum blühte auf, Bildung wurde wichtiger. Weihnachten wurde zum zentralen Familienfest. Zeitschriften und Zeitungen druckten jedes Jahr neue Weihnachtsgeschichten.

Typische Merkmale dieser Geschichten:

  • Betonung von Ordnung, Fleiß und bürgerlichen Tugenden
  • Geschichten über braves und unartiges Verhalten (mit Konsequenzen)
  • Der Weihnachtsmann als Figur wird populär
  • Oft belehrend - Kinder sollten lernen
  • Detaillierte Beschreibungen von Weihnachtsvorbereitungen

Typische Themen:

  • Kinder, die lernen müssen, großzügig zu sein
  • Arme Familien, denen geholfen wird
  • Die Magie des Weihnachtsabends
  • Geheimnisse und Überraschungen

Für wen geeignet: Familien mit Kindern ab 6 Jahren. Diese Geschichten sind oft moralisch, aber in verständlicher Sprache geschrieben. Gut für Vorleseabende.

Weimarer Republik (1918-1933) - Zwischen Tradition und Moderne

Historischer Kontext:
Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland traumatisiert. Die Menschen sehnten sich nach Normalität und Tradition. Gleichzeitig war es eine Zeit kultureller Blüte und Modernisierung.

Typische Merkmale dieser Geschichten:

  • Mischung aus traditionellen und modernen Elementen
  • Oft Sehnsucht nach "Weihnachten wie früher"
  • Manchmal subtile Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen
  • Erste Geschichten mit Autos, Telefonen, modernen Städten
  • Auch humorvolle, leichtere Geschichten

Für wen geeignet: Alle Altersgruppen. Diese Geschichten wirken oft überraschend modern, obwohl sie fast 100 Jahre alt sind.

Nachkriegszeit (1945-1950) - Weihnachten in Trümmern

Historischer Kontext:
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland zerstört. Viele Familien waren auseinandergerissen, es herrschte Armut. Und doch - oder gerade deshalb - wurde Weihnachten intensiv gefeiert.

Typische Merkmale dieser Geschichten:

  • Weihnachten trotz Armut und Not
  • Improvisation (kein Tannenbaum, selbstgebastelte Geschenke)
  • Hoffnung auf Wiedersehen mit Vermissten
  • Solidarität und Teilen des Wenigen
  • Oft sehr emotional, aber nicht kitschig

Besonderheit: Diese Geschichten sind besonders für Senioren berührend, die diese Zeit selbst erlebt haben. Sie sind aber auch lehrreich für jüngere Generationen, um zu verstehen, wie Weihnachten unter schwierigsten Bedingungen gefeiert wurde.

Für wen geeignet: Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene. Für jüngere Kinder können die Themen (Krieg, Hunger, Verlust) zu schwer sein.

4. Die Sprache alter Weihnachtsgeschichten: Herausforderung oder Bereicherung?

Viele Menschen zögern, alte Geschichten vorzulesen, weil sie die Sprache als "zu schwierig" empfinden. Dabei bietet gerade die andere Sprache große Chancen:

Was ist anders an alter Sprache?

  • Veraltete Wörter: "Gevatter" (Pate), "Mägdelein" (Mädchen), "Lichtlein" (kleine Kerze), "holdselig" (liebreizend)
  • Andere Satzstellung: "Da kam er des Weges" statt "Da kam er den Weg entlang"
  • Längere Sätze: Oft verschachtelt mit mehreren Nebensätzen
  • Poetische Ausdrücke: Mehr Metaphern und Bilder
  • Formellere Anrede: "Sie" war üblich, auch in Familien

Wie geht man damit um?

Strategie 1: Erklären statt vereinfachen
Ändern Sie die Geschichten nicht. Erklären Sie stattdessen schwierige Wörter kurz:

Beispiel aus dem Text: "Da stand ein Mägdelein vor der Tür."
Sie sagen: "Ein Mägdelein - das ist ein kleines Mädchen. Das Wort sagt man heute nicht mehr."

Vorteil: Kinder lernen, dass Sprache sich verändert. Sie erweitern ihren Wortschatz. Es entstehen oft interessante Gespräche über "früher".

Strategie 2: Langsamer lesen
Alte Geschichten brauchen ein langsameres Tempo beim Vorlesen. Das gibt Kindern (und Erwachsenen) Zeit, die Sprache zu verstehen und die Bilder im Kopf entstehen zu lassen.

Strategie 3: Pausen für Fragen
Machen Sie nach jedem Absatz oder Kapitel eine kurze Pause: "Habt ihr alles verstanden? Gibt es Wörter, die ihr nicht kennt?"

Strategie 4: Beim zweiten Mal wird's leichter
Viele alte Geschichten entfalten ihren vollen Zauber erst beim zweiten oder dritten Hören/Lesen. Die Sprache wird vertrauter.

Für welches Alter ist alte Sprache geeignet?

  • 3-6 Jahre: Schwierig. Wählen Sie die einfachsten alten Geschichten oder modernisierte Fassungen
  • 7-10 Jahre: Gut möglich, wenn vorgelesen wird und Erklärungen gegeben werden
  • Ab 11 Jahren: Können auch selbst lesen, wenn motiviert
  • Erwachsene: Oft eine Entdeckung - die Sprache wird als bereichernd empfunden

5. Alte Weihnachtsgeschichten für verschiedene Anlässe

Für Großeltern-Enkel-Nachmittage

Warum alte Geschichten hier perfekt sind:
Großeltern können erzählen: "Diese Geschichte kannte ich auch als Kind!" oder "So war es damals wirklich!" Das macht die Geschichten lebendig und schafft Verbindung zwischen den Generationen.

Tipp: Nach der Geschichte fragen: "Oma, wie war dein Weihnachten als Kind?" Oft entstehen die schönsten Gespräche.

Empfohlene Geschichten: Geschichten aus der Kindheit der Großeltern (meist 1940er-1960er Jahre), aber auch ältere, die sie selbst vorgelesen bekamen.

Für Schulunterricht (ab Klasse 5)

Lernziele:

  • Verstehen, wie Menschen früher lebten und Weihnachten feierten
  • Sprachentwicklung nachvollziehen
  • Vergleich mit modernen Geschichten
  • Sozialgeschichte verstehen (Armut, Klassenunterschiede, Krieg)

Unterrichtsmethoden:

  • Geschichten aus verschiedenen Epochen vergleichen
  • Altertümliche Wörter sammeln und moderne Entsprechungen finden
  • Eine alte Geschichte in moderne Sprache "übersetzen" - was geht verloren?
  • Recherche: Wie sah Weihnachten 1850 / 1920 / 1945 wirklich aus?

Für Seniorenkreise und Pflegeheime

Besondere Bedeutung:
Alte Weihnachtsgeschichten sind für Senioren oft sehr emotional. Sie erinnern an die eigene Kindheit, an verstorbene Angehörige, an vergangene Zeiten. Diese Erinnerungsarbeit ist wertvoll und kann auch bei Demenz positive Reaktionen hervorrufen.

Vorlesetipps:

  • Wählen Sie Geschichten aus der Kindheit der Zuhörer (für 80-Jährige: Geschichten aus den 1940er-50er Jahren)
  • Lesen Sie langsam und deutlich
  • Machen Sie Pausen, damit Erinnerungen hochkommen können
  • Kombinieren Sie mit Sinneserfahrungen: Tannenduft, Zimtgeruch, alte Weihnachtsdekoration zum Anfassen
  • Lassen Sie Raum für Gespräche - oft erzählen Senioren nach der Geschichte ihre eigenen Erlebnisse

Achtung: Manche alte Geschichten thematisieren Tod, Krieg oder große Armut. Das kann bei Senioren, die Ähnliches erlebt haben, sehr emotional sein. Seien Sie darauf vorbereitet, trösten zu können.

Für nostalgische Weihnachtsabende mit Freunden

Idee: Ein "Retro-Weihnachtsabend" mit Geschichten, Liedern und Essen aus vergangenen Zeiten.

So gestalten Sie den Abend:

  • Jeder Gast bringt eine alte Weihnachtsgeschichte mit (evtl. aus der eigenen Familie)
  • Dekoration im Stil vergangener Jahrzehnte (z.B. 1950er Jahre: Lametta, echte Kerzen)
  • Traditionelle Weihnachtsgebäcke (nach alten Rezepten)
  • Nach jeder Geschichte: Gespräch über "Wie war Weihnachten bei euch als Kind?"
  • Keine modernen Ablenkungen: Handys ausschalten, kein Fernseher

6. Unterschiede zwischen deutschen, österreichischen und schweizer Weihnachtsgeschichten

Alte Weihnachtsgeschichten aus dem deutschsprachigen Raum unterscheiden sich je nach Region:

Deutsche Weihnachtsgeschichten

Norddeutschland:

  • Oft rauer, realistischer
  • Meer, Wind, karge Landschaften als Kulisse
  • Protestantisch geprägt (weniger Krippe, mehr Christkind/Weihnachtsmann)
  • Beispiel-Autor: Theodor Storm

Süddeutschland:

  • Wärmer, gemütlicher
  • Berge, Wälder, Dörfer als Schauplatz
  • Katholisch geprägt (Krippe wichtig, Heilige Drei Könige)
  • Beispiel-Autoren: Ludwig Thoma, Peter Rosegger

Österreichische Weihnachtsgeschichten

  • Oft in den Alpen angesiedelt
  • Starke katholische Prägung
  • Dialekt häufiger verwendet
  • Besondere Figuren: Krampus (neben dem Nikolaus)
  • Beispiel-Autoren: Adalbert Stifter, Peter Rosegger, Marie von Ebner-Eschenbach

Schweizer Weihnachtsgeschichten

  • Bergwelt als zentrales Motiv
  • Einfaches, bäuerliches Leben
  • Mehrsprachigkeit (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch)
  • Beispiel-Autoren: Johanna Spyri, Gottfried Keller

7. Die soziale Dimension alter Weihnachtsgeschichten

Viele alte Weihnachtsgeschichten thematisieren soziale Unterschiede - ein Thema, das heute wieder hochaktuell ist:

Typische Handlungsmuster:

  • Eine reiche Familie hilft einer armen Familie
  • Ein Kind aus gutem Hause lernt, wie arme Kinder leben
  • Jemand teilt das Wenige, das er hat
  • Weihnachtswunder geschehen bei den Ärmsten

Aus heutiger Sicht:

Diese Geschichten können problematisch wirken - sie zeigen oft eine paternalistische Haltung ("Die Reichen helfen gnädig den Armen"). Gleichzeitig erinnern sie daran, dass soziale Verantwortung ein zentraler Wert der Weihnachtszeit ist.

Pädagogischer Tipp: Sprechen Sie nach solchen Geschichten mit Kindern:

  • "Warum war die Familie arm? War das ihre Schuld?"
  • "Ist es gut, wenn Reiche Armen helfen? Warum?"
  • "Sollte der Staat dafür sorgen, dass niemand arm ist?"
  • "Gibt es heute auch arme Kinder? Was können wir tun?"

So werden alte Geschichten zu Gesprächsimpulsen über zeitlose Fragen von Gerechtigkeit und Solidarität.

8. Besondere literarische Schätze: Diese alten Weihnachtsgeschichten sollten Sie kennen

Die Klassiker der Weltliteratur

"A Christmas Carol" (1843) von Charles Dickens
Die berühmteste Weihnachtsgeschichte der Welt. Der geizige Ebenezer Scrooge wird in der Weihnachtsnacht von drei Geistern besucht und ändert sein Leben. Eine Geschichte über Erlösung und zweite Chancen.

Besonderheit: Unzählige Male verfilmt und adaptiert. Fast jeder kennt die Geschichte, aber die wenigsten haben das Original gelesen.

Lesedauer: 2-3 Stunden / Als Kurzfassung: 30-45 Minuten

"Bergkristall" (1845) von Adalbert Stifter
Zwei Kinder verirren sich am Heiligen Abend im verschneiten Hochgebirge. Eine Geschichte über die Macht der Natur, aber auch über Mut und Geschwisterliebe.

Besonderheit: Detaillierte, fast meditative Naturbeschreibungen. Stifter nimmt sich Zeit - ein Gegenpol zur hektischen Moderne.

Lesedauer: 1-2 Stunden

"Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" (1845) von Hans Christian Andersen
Ein kleines Mädchen verkauft an Silvester Streichhölzer und erfriert in der Kälte. Eine der traurigsten Weihnachtsgeschichten überhaupt.

Besonderheit: Sozialkritik in Märchenform. Zeigt die brutale Realität von Kinderarmut im 19. Jahrhundert.

Lesedauer: 10-15 Minuten

Deutsche Schätze, die weniger bekannt sind

"Die Heilige Nacht" (1904) von Selma Lagerlöf
Eine Großmutter erzählt ihrem Enkel von der Geburt Jesu - aber aus der Perspektive eines Hirten, der dabei war. Poetisch und ergreifend.

Lesedauer: 20-30 Minuten

"Der Tannenbaum" (1844) von Hans Christian Andersen
Ein junger Tannenbaum sehnt sich danach, gefällt und als Weihnachtsbaum geschmückt zu werden. Als es soweit ist, erlebt er eine Überraschung.

Besonderheit: Kann als Mahnung gegen zu viel Ehrgeiz und Ungeduld gelesen werden.

Lesedauer: 15-20 Minuten

9. Vorlesetipps speziell für alte Weihnachtsgeschichten

1. Schaffen Sie eine zeitgemäße Atmosphäre

Alte Geschichten entfalten ihre volle Wirkung, wenn die Umgebung passt:

  • Echte Kerzen statt elektrischer Beleuchtung (unter Aufsicht!)
  • Keine moderne Musik im Hintergrund
  • Eventuell alte Weihnachtsdekoration (Strohsterne, Holzfiguren)
  • Handys und Fernseher ausgeschaltet

2. Bereiten Sie sich vor

Alte Geschichten erfordern mehr Vorbereitung als moderne:

  • Lesen Sie die Geschichte vorher mindestens einmal ganz
  • Markieren Sie schwierige oder veraltete Wörter
  • Überlegen Sie sich Erklärungen für diese Wörter
  • Informieren Sie sich über den historischen Kontext (wann spielt die Geschichte? Welche Zeit?)

3. Lesen Sie langsamer als bei modernen Geschichten

Die Sprache braucht Zeit, um verstanden zu werden. Hetzen Sie nicht. Lieber eine kurze Geschichte ganz in Ruhe als eine lange gehetzt.

4. Nutzen Sie die Geschichte als Gesprächsanlass

Nach der Geschichte:

  • "Wie war Weihnachten damals anders als heute?"
  • "Was würdet ihr vermissen, wenn ihr so leben müsstet wie die Kinder in der Geschichte?"
  • "Was war besser damals, was ist heute besser?"

5. Kombinieren Sie mit Bildern

Suchen Sie im Internet nach historischen Fotos der Zeit, in der die Geschichte spielt. Zeigen Sie den Kindern: So sahen Weihnachtsbäume, Kleidung, Häuser damals wirklich aus. Das macht die Geschichte greifbarer.

10. Warum alte Weihnachtsgeschichten heute wichtiger sind denn je

In einer Zeit von Netflix, TikTok und ständiger digitaler Ablenkung könnten alte Weihnachtsgeschichten irrelevant wirken. Doch das Gegenteil ist der Fall:

Sie lehren Entschleunigung:
Alte Geschichten zwingen zur Langsamkeit. Man kann sie nicht "nebenbei" konsumieren. Sie erfordern Aufmerksamkeit - und schenken dafür tiefe Erlebnisse.

Sie zeigen andere Werte:
In einer konsumorientierten Zeit erinnern alte Geschichten daran, dass Weihnachten auch mit sehr wenig schön sein kann. Bescheidenheit, Dankbarkeit, Teilen - diese Werte waren zentral.

Sie verbinden Generationen:
Großeltern und Enkel können über diese Geschichten ins Gespräch kommen. "War es wirklich so?" - "Ja, bei uns zu Hause..." - so werden Familiengeschichten lebendig.

Sie bilden:
Kinder lernen, wie Menschen früher lebten. Sie verstehen besser, wie sich Gesellschaft entwickelt hat. Geschichte wird greifbar.

Sie bewahren Kulturgut:
Viele dieser Geschichten drohen vergessen zu werden. Wer sie liest und weitergibt, bewahrt literarische Schätze für kommende Generationen.

11. Alte Weihnachtsgeschichten in modernisierter Sprache - ja oder nein?

Es gibt Ausgaben alter Weihnachtsgeschichten, in denen die Sprache modernisiert wurde. Ist das sinnvoll?

Argumente dafür:

  • Zugänglicher für Kinder und Menschen, die mit alter Sprache Schwierigkeiten haben
  • Die Handlung bleibt erhalten, die Sprache wird nicht zum Hindernis
  • Gut als Einstieg, später kann man das Original lesen

Argumente dagegen:

  • Viel geht verloren: der Klang, der Rhythmus, die Poesie
  • Die Sprache ist Teil der Geschichte - sie vermittelt die Zeit
  • Kinder lernen nicht, mit älteren Texten umzugehen

Unser Standpunkt:
Für jüngere Kinder (unter 8 Jahren) können modernisierte Fassungen sinnvoll sein. Ab etwa 10 Jahren sollte man dem Original vertrauen - mit Erklärungen und Geduld. Die Mühe lohnt sich.

Kompromiss: Lesen Sie zuerst eine modernisierte Fassung, damit die Handlung klar ist. Dann lesen Sie das Original - jetzt verstehen die Zuhörer besser und können sich auf die Sprache konzentrieren.

Rechtliche Hinweise: Gemeinfreiheit und Urheberrecht

Die meisten alten Weihnachtsgeschichten (vor 1950) sind gemeinfrei - das bedeutet, sie dürfen frei verwendet, kopiert und verbreitet werden.

Faustregel: Wenn der Autor länger als 70 Jahre tot ist, ist das Werk gemeinfrei.

Beispiele:

  • Theodor Storm (gestorben 1888) - gemeinfrei seit 1958
  • Charles Dickens (gestorben 1870) - gemeinfrei seit 1940
  • Selma Lagerlöf (gestorben 1940) - gemeinfrei seit 2010

Achtung: Übersetzungen und modernisierte Fassungen können eigenständige Urheberrechte haben, auch wenn das Original gemeinfrei ist.

Hinweis: Auf dieser Seite stellen wir für unsere Besucher kostenlose alte Weihnachtsgeschichten zur Verfügung. Möchten Sie dabei helfen, unsere Sammlung um neue Geschichten zu erweitern? Jede Geschichte ist willkommen. Alte Weihnachtsgeschichten eintragen
4.5 von 5 – Wertungen: 4