Das Ulta-Mädchen.

Kategorie: Weihnachtsgeschichten für Senioren

Das Ulta-Mädchen. Lesezeit: ca. 7 Minuten Es waren einmal zwei Bursche, die um dasselbe Mädchen freiten. Als das Frühjahr kam, zogen die beiden Bursche und das Mädchen in Gemeinschaft mit anderen Leuten nach einer weit im Meere draußen gelegenen Insel, um dem Fischfang zu obliegen. Auf der Insel waren nämlich Fischerhütten erbaut, da dieser Ort von Alters her als ausgezeichneter Fischplatz bekannt war und die Leute in der Regel bis zum Herbste daselbst verblieben.

Das Mädchen und die beiden Bursche bewohnten dieselbe Hütte und fischten in demselben Boote. Allmählich begann jedoch der eine der Bursche zu bemerken, daß das Mädchen ihm weniger Aufmerksamkeit schenke als seinem Kameraden. Hierüber wurde er sehr verdrossen und er sann darüber nach, auf welche Weise er wohl seinen Nebenbuhler am besten aus dem Wege räumen könnte.

Als die Fischer wieder die Heimreise antraten, richtete er es so ein, daß er, das Mädchen und sein Kamerade die Letzten waren, welche den Fischplatz verließen. Als nun auch sie alle ihre Sachen in das Boot gebracht hatten und schon zum Abrudern bereit waren, sagte der Bursch, um den das Mädchen sich nicht kümmerte, zu seinem Kameraden:

"Ah, ich habe mein Messer oben in der Hütte vergessen; spring' doch hinauf und hole es mir, dann bist du ein guter Kerl!"

Dieser that dies ohne den geringsten Verrath zu ahnen, war jedoch noch nicht weit gekommen, als der Kamerade das Boot abstieß und mit dem Mädchen davon ruderte.

Er war nun ganz allein auf der Insel und besaß nichts Anderes, womit er sich forthelfen konnte, als das Messer, welches der Kamerade zurückgelassen hatte. Er machte sich einen Bogen und mit diesem schoß er Strandvögel, die er am Feuer briet. Auf diese Weise fristete er sein Leben fort bis Weihnachten. Am Weihnachtsabend trug er eine größere Menge Brennholz zusammen und stapelte dasselbe gerade vor der Thür der Hütte zu einem großen Haufen auf, um nicht während der Weihnachtstage Holz holen zu müssen.

Abends, als er mit dem Holzstoß fertig war, saß er eine Weile vor der Thür und blickte sehnsuchtsvoll nach dem Festlande hinüber. Da bemerkte er plötzlich ein Boot, welches auf die Insel zusteuerte. Der Bursch war darob sehr erfreut, denn er glaubte, daß es Menschen wären, die auf die Insel kämen. Als aber das Boot näher kam, schien ihm dasselbe allerdings etwas sonderbar auszusehen, und als es anlegte und die Leute an's Land stiegen, erkannte er bald, daß es nicht "Albma-olbmuk", d.h. Leute von dieser Welt oder richtige Menschen, sondern Ulta-Leute waren. Er kroch deshalb hinter den Holzstoß und versteckte sich, jedoch so, daß er sie ungesehen beobachten konnte.

Es stiegen nun Alle an's Land. Es war eine große Gesellschaft, die allerlei Kram bei sich hatte. Unter den Weibern befanden sich zwei junge Mädchen, die sehr schön und dabei auch hübsch gekleidet waren. Jedes derselben trug einen Proviantkasten in der Hand, als die ganze Schaar auf die Hütte zuging. Nachdem der ganze Kram in die Hütte geschafft war, kamen die beiden Mädchen wieder heraus, um sich auf der Insel umzusehen; dabei entdeckten sie aber den Burschen, der hinter dem Holzstoß lag. Anfangs fürchteten sie sich ein wenig und wären beinahe wieder davon gelaufen; da der Bursch aber ganz ruhig dalag, traten sie näher an ihn heran und begannen zu kichern und zu lachen und allerlei Scherz mit ihm zu treiben.

Der Bursch hatte eine Stecknadel in dem einen Aermel seiner Jacke. Als sie nun so um ihn herumsprangen und ihn von Zeit zu Zeit zupften, paßte er einen günstigen Augenblick ab und stach die Eine in die Hand, so daß diese zu bluten begann. Die Gestochene begann nun laut zu schreien und zu jammern. Da kamen auch die Uebrigen aus der Hütte gelaufen, um zu sehen, was geschehen sei; sowie sie aber des Burschen ansichtig wurden, stürzten sie wieder hinein, rafften in größter Eile und Hast von dem mitgebrachten Kram zusammen, was Jedes erwischen konnte, und eilten davon.

In einem Augenblicke war Alles verschwunden: die Leute, der Kram und das Boot; nur ein Schlüsselbund war auf dem Tische liegen geblieben und

auch das Mädchen, welches der Bursch blutig gestochen hatte, stand noch da; dasselbe war ganz kraft- und hilflos.

"Nun mußt du mich zu deinem Weibe nehmen," sagte das Mädchen, "da du mich blutig gestochen hast!"

"Ja, ja, warum nicht", antwortete der Bursch, "das will ich gern thun; aber wie glaubst du, daß wir den Winter über auf der Insel hier werden leben können?"

"Damit hat es keine Noth," meinte das Mädchen, "wenn du mir nur versprechen willst, daß du mich zum Weibe nimmst; du bekommst ja reiche Verwandte!"

Der Bursch versprach es und so lebten sie denn miteinander auf der Insel bis zum Frühjahre, wo wieder Leute hinauskamen, mit denen sie nach dem Festlande hinüber fuhren.

"Wohin sollen wir uns jetzt begeben?" fragte das Mädchen den Burschen.

"Das weiß ich nicht," sagte der Bursch; "was meinst du hierüber?"

Das Mädchen meinte, daß es ihr am Liebsten wäre, sich an einem Orte niederzulassen, wo ihre Eltern wohnten; "aber nur, wenn du willst," fügte sie hinzu.

"Warum nicht?" antwortete der Bursch, und so reisten sie dahin und suchten sich einen bequemen Wohnplatz aus.

"Nun mußt du selbst den Platz für das Haus ausmessen," sagte das Mädchen, "du kannst ihn groß oder klein nehmen, wie du willst!"

Der Bursch maß den Platz aus.

Als sie sich des Abends schlafen legten, sagte das Mädchen: "Wenn du in der Nacht, während wir liegen und schlafen, etwas hören solltest, so darfst du nicht aufstehen und auch nicht nachsehen, was es sei!"

In der Nacht hörte er, wie gemauert, gezimmert, gespalten und gehämmert wurde; er rührte sich aber nicht. Des Morgens, als er und das Mädchen aufstanden und sich umsahen, stand das Haus in allen Theilen fertig da.

"Nun mußt du den Platz für den Kuhstall ausmessen," sagte das Mädchen am nächsten Tage, "aber nimm' den Platz nicht zu groß und auch nicht zu klein!"

Der Bursch maß.

In der Nacht hörte er wieder, wie gezimmert, gespalten und gehämmert wurde. Am Morgen stand der Kuhstall vollkommen fertig da mit Ständern, Milcheimern und Kloben; nur Kühe waren nicht darin. Nun bat das Mädchen den Burschen, er möchte den Platz für ein Vorrathshaus ausmessen; dieses könne er so groß haben, als er selbst wolle. Als auch das Vorrathshaus fertig war, forderte sie ihn auf, zu ihren Eltern zu reisen. Sie wanderten denn auch dahin und weilten dort, so lange es sie freute. Als sie aber wieder nach Hause reisen sollten, sagte das Mädchen zu dem Burschen:

"Wenn wir Abschied genommen haben und daran sind, aus dem Hause zu treten, so gib gut acht und eile so schnell du kannst über die Thürschwelle!"

Der Bursch that, wie das Mädchen gesagt hatte, und gerade in dem Augenblicke, als er über die Schwelle stieg, warf der Vater des Mädchens einen großen Hammer nach ihm. Wäre er nicht so schnell gewesen, als er war, sondern hätte er nur einen Augenblick stille gestanden, so würde ihr Vater ihm beide Beine abgeschlagen haben.

Als sie eine Strecke weit auf dem Heimwege gewandert waren, sagte das Mädchen:

"Nun darfst du dich nicht früher umsehen, als bis du in das Haus getreten bist, was immer du auch hören und wahrnehmen magst!"

Der Bursch versprach es; als er aber schon bei der Hausthür angelangt war, konnte er sich nicht länger zurückhalten, sondern sah sich um. Da war gerade die Hälfte einer großen Viehheerde, welche die Schwiegereltern ihnen nachgeschickt hatten, innerhalb des Zaunes gekommen, die andere Hälfte stand noch außerhalb desselben; die aber, welche außerhalb stand, war in demselben Augenblicke verschwunden.

Hierauf ließ sich das Paar von dem Priester trauen und sie bekamen Kinder und lebten glücklich und zufrieden. Das Einzige, was dem Manne nicht gefiel, war, daß seine Frau bisweilen verschwand, ohne daß es ihm möglich war zu erforschen, wohin sie gekommen sei. Als er sich daher eines Tages hierüber beklagte, sagte die Frau, welche ja ihren Gemal recht lieb hatte:

"Lieber Mann, wenn es dir nicht recht ist, daß ich manchmal fort bin, so schlage nur einen großen Nagel in die Thürschwelle; ich kann dann weder hinaus noch hinein, es sei denn, daß du selbst es willst!"

Autor: Josef Carl Poestion

Ausführliche Interpretation der Geschichte

"Das Ulta-Mädchen" ist weit mehr als eine einfache Weihnachtserzählung. Sie verbindet auf faszinierende Weise Motive der nordischen Volkssage mit einem universellen Märchenplot. Im Kern handelt es sich um eine Geschichte über Verrat, Einsamkeit und unerwartete Erlösung. Der aus Eifersitz verlassenen Fischerbursch erlebt die Weihnachtszeit in absoluter Isolation, was die traditionelle Festvorstellung von Gemeinschaft und Familie schmerzhaft kontrastiert. Seine Rettung erfolgt nicht durch Menschen, sondern durch das Übernatürliche – die Ulta-Leute, eine Art unterirdisches oder andersweltliches Volk. Die blutige Stecknadel, mit der er das Mädchen festnagelt, ist ein klassisches Sagenmotiv (ein "Blutopfer"), das eine Verbindung zwischen den Welten schafft und die Ulta-Frau in seiner Welt hält. Die darauf folgende Ehe symbolisiert die Integration des Fremden, des "Anderen", in die menschliche Welt. Die magische Errichtung von Haus und Hof sowie die geschenkte Viehherde stellen eine Belohnung für seine Offenheit und seinen Mut dar, während die List mit der Türschwelle und dem Nagel die bleibende Andersartigkeit seiner Frau und die notwendigen Grenzen in dieser Verbindung zwischen den Welten anzeigt.

Biografischer Kontext des Autors

Josef Carl Poestion (1853–1922) war ein österreichischer Philologe, Übersetzer und Sammler von Volkserzählungen. Seine literaturgeschichtliche Bedeutung liegt nicht in eigener Dichtung, sondern in seiner Rolle als Vermittler nordischer und samischer Kultur. Er veröffentlichte Sammlungen wie "Lappländische Märchen" (1886) und "Isländische Märchen" (1884), aus denen "Das Ulta-Mädchen" sehr wahrscheinlich stammt. Poestion arbeitete als Gymnasiallehrer für alte Sprachen und nutzte seine philologischen Fähigkeiten, um bisher kaum zugängliche Sagenwelten einem deutschsprachigen Publikum zu erschließen. Sein Werk ist damit ein Zeugnis des späten 19. Jahrhunderts, in dem das Interesse an Volkskunde, Ethnologie und "exotischen" Erzähltraditionen stark wuchs. Seine Nacherzählungen bewahren den archaischen Ton der Vorlagen, was den besonderen, leicht fremdartigen Klang dieser Weihnachtsgeschichte erklärt.

Zeitliche Verortung der Handlung

Die Geschichte ist zeitlos im Märchensinn, aber kulturell und atmosphärisch klar in der Welt der samischen oder nordischen Küstenfischer verankert. Sie spielt in einer vorindustriellen, subsistenzwirtschaftlichen Epoche, in der saisonale Fischfangreisen zu abgelegenen Inseln zum Lebensrhythmus gehörten. Historisches Wissen ist zum Verständnis nicht nötig, aber es vertieft die Lektüre: Die Isolation auf der Insel war eine reale Gefahr, und Vorstellungen von Naturgeistern oder verborgenen Völkern wie den "Ulta" (vermutlich verwandt mit den "Huldufólk" oder "Unterirdischen" der isländischen Folklore) waren integraler Bestandteil des damaligen Weltbildes. Die Weihnachtszeit markiert hier keinen kirchlich geprägten Feiertag, sondern einen einsamen, kalten Wendepunkt im Jahreskreis, an dem sich das Wunder ereignet – ein Motiv, das viel älter ist als das christliche Weihnachtsfest.

Welche Stimmung erzeugt die Geschichte?

Die Erzählung erzeugt eine einzigartige, dichte Stimmung, die sich aus mehreren Schichten zusammensetzt. Zunächst herrscht eine düstere, fast klaustrophobische Atmosphäre der Verlassenheit und des Überlebenskampfes auf der winterlichen Insel. Diese weicht am Weihnachtsabend einer gespannten, unheimlichen Stimmung beim Erscheinen der geisterhaften Ulta-Leute. Mit der Begegnung des Burschen mit dem Ulta-Mädchen wird die Stimmung zunehmend wundersam und märchenhaft, fast träumerisch. Der zweite Teil, der Aufbau der gemeinsamen Existenz, ist von einer ruhigen, aber stets von leiser Gefahr umgebenen Magie geprägt (der Hammerwurf des Vaters, die verschwindende Viehherde). Insgesamt ist die Stimmung melancholisch-getröstlich, geheimnisvoll und zutiefst verwurzelt in der nordischen Winterlandschaft.

Emotionale Wirkung auf den Leser

Die Geschichte löst ein komplexes Gefühlsspektrum aus. Anfangs empfindet man Mitgefühl und Beklemmung für den betrogenen und ausgesetzten Burschen. Die Einsamkeit in der Weihnachtsnacht ist fast greifbar. Die Ankunft der Ulta-Leute weckt Neugier und ein leichtes Unbehagen. Die Verbindung mit dem Ulta-Mädchen bringt dann Hoffnung und Erstaunen über die wundersamen Geschehnisse. Die Listigkeiten der Schwiegereltern sorgen für einen Hauch von Spannung und die Erkenntnis, dass das Glück fragil ist. Letztlich überwiegt ein Gefühl der zufriedenen Nostalgie und der poetischen Gerechtigkeit: Der Verratete findet ein unverhofftes, reiches Glück, das jedoch stets von der Andersartigkeit seiner Gefährtin und ihrer Herkunft geprägt bleibt – was wiederum eine leise Nachdenklichkeit hinterlässt.

Moral und vermittelte Werte

Im Vordergrund stehen keine explizit christlichen Weihnachtswerte, sondern archetypische, menschliche Botschaften. Die Geschichte lehrt, dass aus tiefstem Unglück (Verrat, Isolation) unerwartetes Glück erwachsen kann, wenn man mutig und offen für das Ungewöhnliche bleibt. Sie thematisiert Treue (der Bursch hält sein Versprechen an das Ulta-Mädchen), Hilfsbereitschaft zwischen den Wesen und den Wert einer selbst aufgebauten Existenz. Interessant ist der Wert der Akzeptanz: Der Bursch akzeptiert die Andersartigkeit seiner Frau und die damit verbundenen Regeln. Der "Weihnachtszauber" liegt hier nicht in der Geburt Christi, sondern in der wundersamen Begegnung und der Möglichkeit der Erlösung in der dunkelsten Zeit des Jahres. Diese Werte von Hoffnung und unverhofftem Segen passen dennoch perfekt zur Grundstimmung der Weihnachtszeit.

Ist die Geschichte zeitgemäß?

Absolut. Moderne Parallelen lassen sich mühelos ziehen: Sie handelt von sozialer Ausgrenzung und Einsamkeit, besonders in einer Zeit, die von Gemeinschaft geprägt sein sollte. Sie erzählt von Neuanfängen nach einem Verrat oder einem tiefen Fall. Vor allem aber thematisiert sie die Begegnung mit dem "Fremden" – ob in Form einer anderen Kultur, einer andersartigen Persönlichkeit oder einer unkonventionellen Lebensweise. Die Botschaft, dass diese Begegnung, trotz anfänglicher Angst und unter Achtung bestimmter Grenzen (symbolisiert durch den Nagel in der Schwelle), zu großem Glück und Reichtum führen kann, ist hochaktuell. Sie wirft Fragen auf nach Vertrauen, Anpassung und dem Preis des Glücks, die heute genauso relevant sind wie vor hundert Jahren.

Realitätsbezug oder Eskapismus?

Die Geschichte ist eine meisterhafte Mischung aus beidem. Sie blendet die Probleme der realen Welt nicht aus, sondern beginnt mit einem sehr realen, brutalen menschlichen Fehlverhalten: Eifersucht und versuchter Mord durch Aussetzung. Die Einsamkeit und der Überlebenskampf des Burschen werden nüchtern geschildert. Der Eskapismus beginnt mit dem Auftreten der magischen Ulta-Leute. Doch selbst dieser bietet keine reine "heile Welt", sondern eine komplexe, eigenlogische Anderswelt mit eigenen Gefahren (dem hammerwerfenden Vater). Die Geschichte flüchtet also nicht vor Problemen, sondern bietet eine märchenhafte Lösungsstrategie für reale menschliche Abgründe. Sie thematisiert die Brüche und verheilt sie auf einer symbolischen, poetischen Ebene.

Sprachlicher Schwierigkeitsgrad

Die Sprache ist mittelschwer bis leicht altertümlich. Poestion verwendet einen klaren, aber gepflegten Erzählstil des späten 19. Jahrhunderts mit einigen heute ungebräuchlichen Wendungen ("dem Fischfang obliegen", "er sann darüber nach"). Die Sätze sind meist gut strukturiert und nicht übermäßig komplex. Einzelne Begriffe wie "Albma-olbmuk" oder "Ulta-Leute" werden im Text selbst erklärt. Die größte Hürde für jüngere oder ungeübte Leser könnte der etwas gedrechselte, sagendichte Tonfall sein, der jedoch wesentlich zum Charme der Geschichte beiträgt. Insgesamt ist der Text gut verständlich, verlangt aber eine gewisse Konzentration.

Für welchen Anlass eignet sich die Geschichte?

Diese Geschichte eignet sich perfekt für einen ruhigen Weihnachtsabend abseits des lauten Trubels, an dem man in eine andere Welt eintauchen möchte. Sie ist ideal für einen literarischen Adventskreis oder eine Vorleserunde mit älteren Kindern und Erwachsenen. Aufgrund ihrer nordischen Atmosphäre passt sie wunderbar zu einem "Hyggelig"-Abend bei Kerzenschein. Sie bietet auch einen ausgezeichneten Gesprächsanlass über Themen wie Andersartigkeit, Schicksalswendungen oder nicht-christliche Weihnachtstraditionen und ist daher gut für den kulturell interessierten Freundeskreis oder den ethnologisch ausgerichteten Unterricht geeignet.

Eignung zum Vorlesen oder Selberlesen

Die Geschichte eignet sich hervorragend zum Vorlesen. Ihr rhythmischer, etwas archaischer Satzbau entfaltet seine volle Wirkung erst, wenn er gesprochen wird. Die klaren Bilder – die einsame Insel, das geisterhafte Boot, die magische Hauserrichtung – kommen beim Zuhören gut zur Geltung. Der Vorleser kann die Stimmungswechsel von düster zu geheimnisvoll zu wundersam gut transportieren. Zum Selberlesen ist sie ebenfalls geeignet, hier kann man die feinen sprachlichen Nuancen und die symbolische Tiefe vielleicht noch besser in eigenem Tempo erfassen. Für ein volles Erlebnis empfiehlt sich jedoch die gesprochene Variante.

Geeignete Altersgruppe

Die Geschichte ist ideal für Jugendliche ab etwa 12 Jahren und Erwachsene. Jüngere Kinder könnten mit der düsteren Anfangssituation (dem betrügerischen Aussetzen) und der teils unheimlichen Atmosphäre überfordert sein oder die subtileren Beziehungs- und Symbol-Ebenen nicht erfassen. Die Altersangabe "ab 12" setzt voraus, dass die Leser oder Zuhörer in der Lage sind, über die reine Handlung hinaus die Themen Verrat, Einsamkeit und die Integration des Fremden zu verstehen und zu reflektieren.

Für wen eignet sich die Geschichte weniger?

Die Geschichte eignet sich weniger für sehr junge Kinder, die eine klassische, freudige und konfliktarme Weihnachtserzählung erwarten. Auch wer nach einer explizit christlich-religiösen Weihnachtsbotschaft sucht, wird hier nicht fündig. Menschen, die eine leicht verdauliche, moderne und schnelle Unterhaltung bevorzugen, könnten sich an der altertümlichen Sprache und der gemächlichen, beschreibenden Erzählweise stoßen. Sie ist kein heiteres Kurzmärchen, sondern eine ernste, mehrschichtige Sage.

Abschließende Empfehlung

Wähle "Das Ulta-Mädchen", wenn du eine Weihnachtsgeschichte suchst, die tiefgründig, ungewöhnlich und frei von Kitsch ist. Sie ist perfekt für einen stillen Moment in der Adventszeit, in dem du und deine Zuhörer Lust auf eine Reise in die nordische Sagenwelt habt. Diese Geschichte schenkt nicht nur einfache Unterhaltung, sondern Stoff zum Nachdenken und Träumen. Sie beweist, dass Weihnachtswunder viele Gestalten annehmen können – auch die einer geheimnisvollen Frau aus einer anderen Welt. Lies sie an einem dunklen Winterabend, wenn der Wind ums Haus pfeift, und lass dich von ihrer zeitlosen Magie und ihrer Botschaft der unverhofften Rettung verzaubern.

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