Weihnachten mal zwei

Olivers Nerven liegen blank. Der Stau und die Kälte. Einfach unerträglich. Es fehlen ihm nur noch 3 Geschenke und das Einkaufszentrum ist auch schon in Sicht – und zwar seit einer geschlagenen Stunde. Im Radio spielen sie zum hundertsten Mal das gleiche Weihnachtslied und das Klingeln der Weihnachtsmänner am Straßenrand wird er wohl nie wieder aus seinen Ohren bekommen. Warum muss er denn auch immer bis zum allerletzten Tag mit seinen Einkäufen warten? Lisa hat das alles sicher schon vor einem Monat fertig gehabt.

Langsam kommt er der Einfahrt zum Einkaufscenter näher. Nichts wie rein, ein Puppenhaus für die kleine Marie, ein großes Lego-irgendwas-Dings für Patrick und eine neue Kette für Lisa. Normalerweise ein Aufwand von maximal einer Stunde. Nicht heute.
Alleine um in die Geschäfte zu kommen, muss er sich durch hunderte Menschen durchboxen – und viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Bald kommen die Kids von der Oma nach Hause und dann müssen die Geschenke, die der Weihnachtsmann gebracht hat, schon unter dem Baum liegen.
Eine weitere Stunde vergeht, bis Oliver endlich an der letzten Kasse steht – es ist unglaublich wie viele Leute heute noch letzte Weihnachtseinkäufe erledigen. Hauptsächlich Männer, wie Oliver feststellt.
Die Kasse wäre jetzt also heil überstanden. Ein kurzer Blick auf die Uhr.
„Oh mein Gott!“ keucht Oliver.
Noch 20 Minuten bis die Kleinen heim kommen. Nie und nimmer ist das zu schaffen. Er rennt zum Auto, schmeißt die – Gott sei Dank – schon verpackten Geschenke in den Kofferraum und fährt los. Sofort schallt wieder das Weihnachtslied aus dem Radio. Klick. Nein! Jetzt nicht.

Natürlich kommt er zu spät. Die Strecke war in der Zeit nicht zu schaffen – nicht heute. Die Kinder spielen im Wohnzimmer. Unter dem Weihnachtsbaum. Na klar. Lisa schaut auch schon ganz verärgert aus dem Küchenfenster. Oliver fährt die Straße weiter und parkt ein Haus weiter um sich nicht zu verraten. Er hat sich nämlich an das Weihnachtsmannkostüm erinnert, das er noch im Schuppen hat. Da waren die Kids noch ganz klein – sie könnten sich sicherlich nicht mehr daran erinnern.
„Also los.“ Seufzt Oliver und steigt aus dem Auto. Der Weg in den Schuppen ist nicht weit, trotzdem schaffte er es zwei Mal auf seinem Allerwertesten zu landen. Komplett nass und voll blauer Flecken huscht er in den Schuppen und steigt in das Kostüm.
Wieder zurück beim Auto schnappte er sich die Geschenke, steckte sie in den roten Sack und fing an die Veranda hochzuklettern. Ein Weihnachtsmann kommt immer durch den Kamin! Vorsichtig tastete er sich über das Dach – hin zum Kamin. Ein kurzer Blick hinein sagte ihm, dass das Feuer aus war.
Von unten hörte er schon das fröhliche Geschrei von den Kindern und nach kurzem Zögern kletterte er hinein.
Ruuummmss!!
Mit einem ohrenbetäubenden Krach sauste er den Kamin hinab. Als sich der Rauch verzogen hatte, sah er verblüffte Gesichter im Wohnzimmer stehen und…

Und…
Opa. Mit einem Weihnachtmannkostüm, das – wie seines – mit Ruß übersät und kaum noch zu erkennen war.
Den Kindern erklärten sie, dass sie zwei Weihnachtsmannhelfer wären und da wohl etwas schief gegangen ist. Sie glaubten es und erzählten jedem, dass sie gleich zweimal vom Weihnachtsmann beschenkt worden sind.

Was macht man nicht alles für die Kleinen…