Ein Weihnachtfest voller Glück und Zufriedenheit

Das kleine Bergbaudorf stand geduckt im Schatten der riesigen Kohlenhalde. In der Küche des kleinen Hauses mit ihren schrägen Wänden und dem kleinen Dachfenster, war es mollig warm. Der einzige Raum in der kleinen Wohnung, die im Winter wochentags geheizt wurde. Das Wohnzimmer, das angeschafft wurde mit vielen finanziellen Entbehrungen, wurde gehegt und geschont und nur zu hohen Feiertagen, wie etwa das bevorstehende Weihnachtsfest, geheizt und bewohnt. Im Schlafzimmer, in dem drei Betten standen, zwei für die Eltern und eins für das Kind, war es eisig kalt. An den Fenstern schimmerten Eisblumen und bildeten ein bizarres Muster, wenn man daran hauchte, hatte man ein kleines Guckloch, von dem man aber auch nur wieder auf die mächtige Kohlenhalde blicken konnte. Das Kind und seine Eltern waren arm, der Vater Bergmann, die Mutter Hausfrau. Aber sie waren glücklich, gerade in der jetzigen Zeit, der Vorweihnachtszeit. Die Mutter backte Plätzchen und summte leise in der heißen Küche ein Weihnachtslied. Das Kind, das auf einem kleinen Schemelchen neben ihr an dem Küchentisch stand, durfte Plätzchen ausstechen und auf das Backblech legen.“ Na, sagte die Mutter zu dem Kind, was wünschst Du Dir denn vom Christkind?“ „Ein neues Kleid für meine Liese und ein Puppenwagen für sie, damit ich sie spazieren fahren kann, das wünsche ich mir“, flüsterte das Kind leise und verschämt. Die Mutter strich ihm über das Haar und sagte, „ja, da muss ich mal mit dem Christkind reden und fragen ob Du auch brav warst“, sagte die Mutter. Insgeheim machte sie einen Überschlag über ihre finanziellen Mittel, denn die waren mehr als bescheiden. Wenn sie das Kleidchen selber nähte und der Vater vielleicht einen Puppenwagen bauen konnte, nun sie musste sehen.

Schließlich wurden an Weihnachten auch teuere Speisen aufgetischt, das waren eigentlich die Geschenke für die Eltern, ein gutes Essen. Da wurde beim Metzger im Dorf ein kleiner Rollschinken gekauft, für den Heiligen Abend gab es Bratwürste, die ganze Familie freute sich darauf. Der Vater bekam zur Feier des Tages zwei Flaschen Bier und die Mutter und das Kind eine Flasche Limonade. Ja man war bescheiden in diesen Tagen, die voller Glück und Zufriedenheit waren. Am Heiligen Abend wurde das Wohnzimmer eingeheizt, der Vater brachte den Weihnachtsbaum herauf und dann wurde die Tür mit einem Bettlaken abgehängt und das Kind durfte nicht mehr in das Wohnzimmer, bis es gerufen wurde. Es saß derweil mit hochroten und heißen Wangen auf seinem Schemelchen in der Küche und wartete. Die Großmutter hatte sich noch angesagt und wollte vorbeikommen, das würde ein schönes Fest werden.

Dann war es endlich soweit, das Christkind klingelte mit einem Glöckchen und das Kind und die Großmutter, die gekommen war, betraten das Wohnzimmer mit dem herrlich geschmückten Baum. Lametta und Kerzen und viele bunte Kugeln funkelten um die Wette. Das ganze Zimmer war mit Tannen geschmückt die einen heimeligen Duft verströmten. Das Kind stand ganz still und andächtig und schaute nur. Ja und dann sah es unter dem Baum die Liese mit ihren neuen Kleidern in einem Puppenwagen liegen. Ein Puppenwagen aus Holz mit bunten Blumen aufgemalt und das Christkind hatte auch nicht die Decke und das Kissen für die Liese vergessen. Das Kind war glücklich. Die Eltern und die Großmutter standen ebenfall still und schauten dem glückseligen Kind zu, wie es seine Spielsachen bewunderte. Ja und dann sagte die Mutter: „Lasst uns essen gehen, dann haben wir auch unsere Bescherung“.